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BDA zur Modernisierung des Stadttheaters Augsburg

21. April 2016

Ja zum Stadttheater aber auch Ja zur Möglichkeit einer Öffnung der zukünftigen Planung, um den Neubau der Infrastruktur, Multifunktionsspielstätte, Probebühnen, Orchesterprobensaal und der Werkstätten als Chance für einen öffentlichen Prozeß aufzufassen und mit dem Umfeld abzustimmen.
Mit Blick auf eine moderne inhaltliche Ausrichtung des Theaters sollte so im Vergleich von Alternativen die funktional wie städtbaulich beste Lösung gefunden werden.

Ein lebendiges Theater ist ein wichtiger Bestandteil einer zukunftsfähigen Augsburger Kulturlandschaft. Der BDA Bund Deutscher Architekten sieht die vom Bürgerbegehren „Initiative Kulturelle Stadtentwicklung Augsburg (IKSA)“ angestrebte Blockade daher als wenig hilfreich an. Stattdessen sind die politischen Verantwortlichen gefordert, das Projekt samt Bürgerbeteiligung jetzt besonders offen und sorgfältig mit hohem Maß an wirtschaftlicher, kultureller, städtbaulicher und architektonischer Verantwortung fortzuführen. Das Bauprojekt „Stadttheater“ weist bekanntermaßen eine hohe Komplexität inhaltlicher und räumlicher Funktionsbereiche mit einem hohen architektonischen Anspruch auf. Die begonnene Sanierungsplanung des großen Hauses durch den Kollegen Architekt Walter Achatz schafft die notwendigen Grundlagen für die Ertüchtigung des Bauwerks. Die Tatsache, dass Fördergelder in erheblicher Höhe zur Verfügung stehen, darf jedoch nicht den Eindruck erwecken, daß jetzt für den Neubau alternativlos nur ein Konzept umgesetzt werden kann.
Der jetzige Umbruch bietet die Chance, „Theater“ neu zu begreifen und zukunftsfähig zu machen. Hier wurden die Weichen mit der Neubesetzung des Intendanten André Bücker in die richtige Richtung gestellt. Augsburg und insbesondere die nähere Umgebung des Stadttheaters bietet viele Möglichkeiten, Schwellen abzubauen und ein lebendiges, für alle Alters- und Interessensgruppen akttraktives Theaterquartier zu inszenieren.
Der BDA plädiert dafür, die baulichen Lösungen des Neubaus nördlich des Stadttheaters durch einen offenen Planungsprozeß klären zu lassen, um Alternativen unter Berücksichtigung des städtebaulichen Umfelds zu entwickeln und in der fachlichen Gegenüberstellung zur besten Lösung zu bekommen.

Auf Basis der bisherigen Planung sollen vor allem folgende Einzelaspekte im Umfeld des Hauptbaus weiter untersucht werden:

1. Die Überbauung des Freibereiches im Schnittpunkt von Kasern-, Ludwig und Theaterstraße durch den Neubau der Multifunktionsspielstätte gibt das hohe städtebauliche Potential eines qualitätvollen Platzes auf. Dort könnte die bereits vorhandenen lebendigen Nutzung ausgeweitet werden.

2. Das westliche Vorgelege des Großen Hauses am Kennedy-Platz bedarf dringend einer  überzeugenden Konzeption und einer sehr zielsicheren städtbaulichen und architektonischen Lösung. Hier ist der südliche Vorplatz des Großen Hauses und die westliche Außenfläche einschließlich der Straßenbahnhaltestelle mit einzubeziehen.

3. Für die Theaterstraße ist eine Neugestaltung mit Nutzungskonzept erforderlich.

4. Die Auslagerung funktional unproblematischer Nutzungen wie Verwaltung in umliegende vorhandene Gebäude sowie die Nutzung der baulichen Potentiale der Nachbarschaft sind systematisch zu untersuchen.

Das probate Mittel dieser Planungsmethode für das Umfeld des Theaters ist ein offenes städtebauliches Wettbewerbsverfahren unter der Prämisse einer Abstimmung der Planung des Umbaus des Stadttheaters durch das Atelier Achatz, um in der fachlichen Abwägung von Alternativen zur besten baulichen Lösung zu kommen.

Augsburg, 21. April 2016
Dipl.-Ing. Frank Lattke, Architekt
Vorsitzender BDA Kreisverband Augsburg-Schwaben